1995 wurden in der Schweiz zwei grosse Studien zum Thema Luftverschmutzung und Atemwegerkrankungen in Angriff genommen. Die erste, SAPALDIA (I und II) hatte die Erwachsenen im Visier, die zweite, SCARPOL, ganz besonders die Kinder.
SAPALDIA I diente dem Bundesrat 1998 als wissenschaftliche Grundlage für die Einführung der pm10 -Immissionsgrenzwerte. Bereits nach den ersten Resultaten musste festgestellt werden, dass eine Erhöhung der Feinstaub- und Stickoxidkonzentration die Lungenfunktion schwächt und Atemwegprobleme sowohl bei Kindern wie Erwachsenen verschärft. Die im Jahr 2002 weiterführende Studie SAPALDIA II belegt, dass die Verbesserung der Luftqualität zu einer Verminderung der altersbedingten Abnahme der Lungenfunktion führt.
Aktuelle Erkenntnisse aus internationalen wissenschaftlichen Untersuchungen belegen, dass Kinder unter dem Einfluss der PM10 besonders stark leiden.
Eine kurzfristige Zunahme der durchschnittlichen PM10-Konzentration um 100% hat eine Erhöhung der Asthmanotfälle bei Kindern um 10% zur Folge. Dies beweist eine Studie, die während zweier Jahre alle wegen Asthma in der Notfallabteilung des grössten Belfaster Spitals behandelten Kinder verfolgt hat.
Zwei kalifornische Studien kommen zum Schluss, dass sich die Lungen der Kinder in Regionen mit erhöhter Luftverschmutzung langsamer entwickeln. Ziehen die Kinder in Regionen mit besserer Luftqualität um, verbessert sich der Wachstumsprozess.
Im Rahmen des SCARPOL-Projekts (Swiss Study Childhood Allergy and Respiratory Symptoms with Respect to Air Pollution and Climate), 1995 begonnen und immer noch im Gang, wurden 4400 Schülerinnen und Schüler aus 10 verschiedenen Regionen der Schweiz untersucht. Dabei ist klar zu Tage getreten, dass Infektionskrankheiten der Atemwege wie Bronchitis oder Grippe, aber auch chronischer Husten umso häufiger auftreten, je höher die Belastung mit Feinstäuben und Stickoxid am Wohnort ist.
So litten 32% aller Kinder in einer Ortschaft mit einem durchschnittlichen Jahresmittelwert von 10 µg PM10/m3 an Bronchitis oder Grippe. In Ortschaften mit einem Jahresmittelwert von 33 µg PM10/m3 waren es dagegen 45%.
Im Rahmen der SAPALDIA-Studie (Swiss Study on Air Pollution and Lung Diseases in Adults), die 1995 gestartet und immer noch im Gang ist, wurden fast 10'000 Erwachsene aus acht Schweizer Regionen medizinischen Untersuchungen unterzogen und detailliert zu ihren Gesundheitsproblemen und Lebensgewohnheiten befragt.
In der Studie wurden Atemwegssymptome und Lungenfunktionswerte mit den Luftschadstoffbelastungen an den jeweiligen Wohnorten in Beziehung gesetzt. Dabei hat sich gezeigt, dass mit zunehmender Feinpartikel- und Stickoxidbelastung die Lungenfunktion schlechter wird und die Atemwegsprobleme zunehmen.
Für SAPALDIA II wurden dieselben Personen aus der ersten Studie nochmals eingeladen. In den 11 Jahren zwischen den beiden Studien verringerte sich die Feinstaubbelastung an allen acht untersuchten Standorten um 4,2 bis 7,5 Prozent. Die zu Beginn von SAPALDIA I aufgestellte Hypothese, dass mit einer besseren Luftqualität die altersbedingte Abnahme der Lungenfunktion geringer werden sollte, konnte mit SAPALDIA II bestätigt werden
Der Anteil von Personen mit krankhaften Lungenfunktionswerten ist in Genf und Lugano rund zwei Mal höher als in Montana oder Davos. Im Jahr 2000 klafften die entsprechenden PM10-Belastungen im Jahresmittel um mehr als 20 μg/m3 auseinander.
Auffällig auch, dass Personen mit Bronchitis oder Asthma dort am meisten Beschwerden haben, wo die Luft am schmutzigsten ist. Eine im deutschen Erfurt gemachte Studie zeigt auch, dass erwachsene AsthmatikerInnen häufiger zu Asthma-Medikamenten greifen, wenn die Feinstaubbelastung zunimmt.